Man muss nicht alles sehen, um etwas zu fühlen
Model: Eva Pechmarie
Mich langweilen mittlerweile perfekte Bilder.
Nicht, weil ich ihre Qualität nicht mehr schätze. Nicht, weil ich nicht mehr erkenne, wie viel Arbeit, Technik und Können in einem gestochen scharfen Foto stecken. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass mich diese Perfektion immer seltener berührt.
Ich weiß oft schon vorher, wie das Ergebnis aussehen wird.
Dann habe ich angefangen, mit Unschärfe zu experimentieren.
Ich stelle meine Kamera auf 1/20 Sekunde. Eine kurze Zeitspanne – und gleichzeitig lang genug, um die Kontrolle ein Stück weit abzugeben. In diesem Moment weiß ich nicht mehr genau, was mich erwartet. Ich drücke den Auslöser und lasse etwas passieren.
Genau das fasziniert mich.
Diese kleine Unsicherheit weckt eine Neugier in mir, die ich lange nicht mehr gespürt habe. Natürlich entsteht dabei auch viel Ausschuss. Bilder, die einfach nicht funktionieren. Bilder, die nichts erzählen. Bilder, die keine Emotion transportieren.
Aber zwischen all diesen Versuchen finde ich immer wieder ein Foto, das etwas in mir auslöst.
Manchmal ist es Spannung.
Manchmal Ruhe.
Manchmal Sehnsucht.
Und manchmal kann ich nicht einmal benennen, was ich dabei empfinde.
Früher dachte ich immer, ich müsse etwas klar erkennen können, um eine Verbindung dazu aufzubauen. Um etwas zu fühlen, müsse ich es deutlich wahrnehmen. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Vielleicht liegt gerade in der Unschärfe etwas Ehrliches. Etwas, das Raum für die eigene Vorstellung lässt. Etwas, das nicht alles vorgibt, sondern Fragen stellt.
Bin ich damit jetzt in der Kunstwelt angekommen?
Oder habe ich Kunst vielleicht endlich verstanden?
Ich glaube: noch nicht.
Vielleicht geht es aber auch gar nicht darum, sie zu verstehen. Vielleicht geht es darum, sich darauf einzulassen. Neugierig zu bleiben. Zu entdecken. Zu fühlen, statt immer nur zu analysieren.
In diesem Blog möchte ich euch in Zukunft auf genau diese fotografische Reise mitnehmen.
Eine Reise voller Experimente, Fragen und Gedanken. Voller Bilder, die vielleicht nicht immer perfekt sind. Vielleicht nicht einmal immer scharf.
Aber hoffentlich voller Gefühl.
Denn mittlerweile glaube ich: Die interessantesten Bilder sind nicht die, die man am deutlichsten sieht.
Sondern die, die man am stärksten spürt.