Hinter den Kulissen

Hallo,

hier schreibt Daniel.

 

Bei Timo und Sebastian ist momentan eine Menge los. Erst der Umzug in das erste eigene Büro und seit Anfang Februar noch eine Neuerung: Statt nur zwei, drängen sich jetzt drei Menschen auf den kuscheligen 12 Quadratmetern in der Kerkrader Straße 11.

Nein, nicht der lang ersehnte Adoptivsohn der beiden, sondern ich – ihr erster Praktikant!

 

Im Rahmen meiner Berufsfindung wollte ich mir nämlich einmal ansehen was man so treibt wenn man als selbstständiger Fotograf seine Brötchen verdient, und ob das vielleicht ein Beruf ist, der auch für mich in Frage kommt. Als jemand der vor dem Praktikum hauptsächlich Landschaften fotografiert hat, hat sich mir hier erschreckend viel Neuland offenbart. Bis auf das ein oder andere verkrampfte Gruppenfoto auf Familienfeiern hatte sich bisher eher selten ein Mensch auf meine Fotos geschlichen. Bei den wenigen Shootings, bei denen ich Timo bisher begleiten durfte habe ich schon so viel Neues gelernt, dass ich gar nicht weiß wie ich das alles auf einmal umsetzen soll. Plötztlich befindet sich das Rädchen auf der oberen linken Seite meiner Kamera immer seltener auf "Av" und, immer öfter auf "M".  

Die Blendenpriorität mag bei Landschaften zwar einen guten Dienst leisten, aber bei Portraits habe ich schnell gemerkt wie sie an ihre Grenzen kommt. Die Ergebnisse sehen viel besser aus wenn man nicht die Kamera über das Licht entscheiden lässt, sondern einfach mal selbst das Ruder in die Hand nimmt.

 

Deshalb habe ich mir auch gleich mal eine Freundin von mir geschnappt und vor die Kamera gezerrt, um das neu Gelernte in die Tat umzusetzen. Natürlich ist da noch eine ganze Menge Luft nach oben, aber ich bin mit den ersten Gehversuchen schon ganz zufrieden. Ich freue mich auf jeden Fall schon meine Portraits in zukünftigen Shootings weiter zu verbessern!

© Daniel Ax

Dadurch wurde mir auch klar, wie wichtig es ist immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren. Wer viel Landschaften fotografiert kann vielleicht noch eine Menge durch Portraits lernen, wer eigentlich nur Produktfotografie macht sollte vielleicht einfach mal zwei Stunden im Dreck kriechen und Makros von irgendwelchen Insekten schießen.

Selbst wenn man sich später entschließt zu seinem Steckenpferd zurückzukehren, wird man vor neue Herausforderungen gestellt, aus denen man am Ende als besserer Fotograf hervorgeht. Hätte ich dieses Praktikum nicht angefangen würde ich vielleicht noch in 10 Jahren Landschaften auf Blende 8 fotografieren.

 

An den Alltag im Büro habe ich mich ebenfalls schnell gewöhnt. Er ist bestimmt von einer Menge Lightroom und Social Media. Erschreckend viel Social Media. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Zeit vor Facebook verbracht wie in den letzten zwei Wochen.

Alleine als Marketing-Werkzeug scheint es aber unumgänglich, wenn man als Fotograf vor hat mit seiner Arbeit Geld zu verdienen. Das beobachte ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, einerseits ist es unglaublich cool in einer Zeit zu leben in der jeder alles mit allen so einfach Teilen kann. Ohne Social Media hätten es viele Kreative auf diesem Planeten wahrscheinlich nicht geschafft aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen.

Auf der anderen Seite geht es, meiner Beobachtung nach, oft zu viel um Zahlen. Und als Selbstständiger muss man darauf achten, dass diese Zahlen oben bleiben, damit der Kühlschrank auch am Ende des Monats noch voll ist.

Dadurch wird der Spaß am Teilen eher zur lästigen Arbeit, nach dem Motto "Ich MUSS jetzt ein Bild hochladen, um die Interaktion auf meiner Seite aufrecht zu erhalten". Das hat natürlich irgendwie einen faden Beigeschmack, muss aber vielleicht einfach in Kauf genommen werden.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich für die Herren Kummer und Barwitzki bis in den Juni hinein Facebook-Beiträge planen durfte. Mein persönliches Highlight bis jetzt, danke Jungs!

 

Bis bald,

 

der Praktikant.

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