-Emotionen pur-

timo barwitzki

Dieses Shooting mit Silke war mit Abstand die intensivste Erfahrung, die ich bei einem Shooting machen durfte und
diese Erfahrung möchte ich gerne mit euch teilen.

Zugegeben, das Shooting war geplant, doch anders als in meiner Tätigkeit als Hochzeitsfotograf, wo man öfters Freudentränen vor die Linse bekommt, ging es hier viel mehr darum, schmerzhafte Emotionen hervorzurufen.
Das ganze noch zu porträtieren machte es nicht leichter, denn wer will schon in solchen Momenten normalerweise fotografiert werden?
Ein Vorteil war, dass wir uns schon kannten und eine gewisse Vertrauensbasis vorhanden war.
Doch ist es denn auch echt wenn wir es planen, fragte ich mich.
All diese Fragen stellte ich mir in der Zeit vor dem Shooting und auf der Hinfahrt.
Doch was gab es zu verlieren!?
Wir versuchten es und selbst wenn sie keine Träne rausbekommt, sind wir trotzdem eine Erfahrung reicher.
Bei einer kleinen Erfahrung blieb es jedoch nicht.

Als ich bei ihr war, verdrängte ich all meine Zweifel und machte einfach was ich für richtig hielt.
Klar war für mich, dass ich bei diesem Shooting so wenig präsent sein sollte, wie nur möglich.
Auch die Pose oder Lichtsetzung, lässt sich in dem Moment nicht mehr ändern, denn dann würde sie vielleicht aus der Emotion schwinden.
Deswegen machte ich eigentlich nichts anderes, als ihr am Anfang zu sagen, wo sie sich hinsetzen soll.

Und los ging es.
Sie machte Musik an und wir redeten und redeten, jedoch anders als bei anderen Shootings.
Normal versuche ich ernste Gesprächsthemen zu vermeiden, doch hier waren sie gefordert.
Trotzdem war es nicht so leicht. Selbst als ich mit Fragen nachborte, um in die Thematik mehr zu versinken, kamen wir nicht zu den geplanten Ergebnissen. Doch woran lag es?
Es war meine Präsenz.
Denn wann sucht man ein Gespräch mit harten Themen? ......Wenn man sie verarbeiten will.
Denn wenn ich jetzt zurückblicke und in diesem Moment noch so viel versucht habe sie nicht zu trösten, so war es vielleicht trotzdem für sie spürbar. Es fiel mir auch echt schwer, muss ich zugeben.
Um unser Ziel zu erreichen war irgendwann für uns klar, ich muss aus ihren Augen. Sie wandte sich von mir ab und blieb für sich alleine mit dem Rücken zu mir.
Denn wenn es einem schlecht geht, ist es am Härtesten alleine zu sein.
Ich machte die Musik lauter und irgendwann drehte sie sich zu mir.
Da war es! Echt! Und all meine Zweifel waren weg, denn das kann man nicht spielen! Es war spürbar und auch für mich sehr hart. Ich stellte mir in diesem Moment 1000 mal die Frage, "Fotografieren oder trösten?"
Das Shooting ging am Ende maximal 5-10min und wir beendeten das Ganze.
Ich nahm sie in den Arm und wir klingten das Shooting aus mit netten aufheiternden Gesprächsthemen.

Vielen Dank Silke, für diesen unvergesslichen Moment, dein Vertrauen und diese wahnsinns Erfahrung.

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Kommentare: 7
  • #1

    Mischa (Mittwoch, 07 Dezember 2016 22:00)

    Das ist eine sehr "spürbare" Arbeit, von beiden sehr sehr klasse!

  • #2

    Natie (Donnerstag, 08 Dezember 2016 18:33)

    Wow, sehr bewegende Bilder. Das war für Model und Fotograf sicher ein sehr bewegendes Shooting. Auch an das Model ein ganz großes Lob, nicht jeder traut sich, sich von seiner verwundbaren Seite zu zeigen!

  • #3

    Roland Ehmig (Donnerstag, 08 Dezember 2016 18:49)

    Tolle Bilder - beeindruckende , sehr sensible , private Atmosphäre als Bild rüber gebracht.Welche Fragen lösen das aus ? Geht das bei jeder Frau oder jedem Mann ?
    Ich hätte viele Fragen , bin begeistert von Eurem Ergebniss.Danke und Alles Liebe.R.E

  • #4

    Thomas (Donnerstag, 08 Dezember 2016 19:20)

    Wahnsinnig schön und emotional. Da gehört sehr viel Vertrauen zu. So "echt" bekommt es so manche Schauspielerin nicht hin. Eine klasse Arbeit.
    Liebe Grüße
    Thomas

  • #5

    Marco (Donnerstag, 08 Dezember 2016 19:20)

    Wow, auf ihre Art beeindruckende Bilder. Meine bewunderndswerte Verneigung vor Model und Fotograf.

    Das sind Bilder die unter die Haut gehen, das bewirken bei mir wenige Bilder in dieser Form.

  • #6

    John (Freitag, 09 Dezember 2016 11:06)

    Ich finde toll was Hir grschaffen habt. Es muss ja auch nicht immer wie im Studio optimal mit Blitzen ausgeleuchtet sein. Das wirde die Stimmung des Bildes kaputt machen. Die Kunzt ist es ja auch beim Fotografieren das man den einen perfekten Moment im Bild festhält für immer.

  • #7

    Stefanie Döll (Dienstag, 24 Januar 2017 09:13)

    Ein "unbekanntes" Hallo von mir. Es sind soooo wundervolle Fotos und der Text ist auch so schön geschrieben. Ganz, ganz toll!!!